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Täbris · um 1522–1535

Das Schahname des Schah Tahmasp

Zwei Jahrzehnte Arbeit der größten Maler des safawidischen Täbris — 258 Gemälde zu Firdausis Nationalepos und das unübertroffene Meisterwerk der persischen Buchkunst.

Image: Blatt aus einer Schahname-Handschrift — Wikimedia Commons
Buch

Ein königlicher Auftrag in Täbris

Schah Ismail I., der Begründer der Safawiden-Dynastie, gab eine monumentale Abschrift von Firdausis Schahname als Geschenk für seinen jungen Sohn, den späteren Schah Tahmasp I., in Auftrag. Die Arbeit begann um 1522 in der königlichen Kitabkhana (Buchwerkstatt) in Täbris und dauerte mehr als ein Jahrzehnt. Die vollendete Handschrift umfasst 759 Blätter im Format 47 × 32 cm mit 258 ganzseitigen Miniaturen — der umfangreichste Gemäldezyklus, der je einen einzelnen persischen Text illustriert hat.

"Keine andere persische Handschrift stellt eine so nachhaltige und koordinierte Anstrengung so vieler der bedeutendsten Maler, Kalligrafen, Illuminatoren und Buchbinder jener Zeit dar."
— Sheila R. Canby, The Shahnama of Shah Tahmasp (Met, 2014)
Künstler

Die Maler der Schule von Täbris

Hauptmaler des Schahname des Schah Tahmasp
KünstlerSchaffenszeitBerühmte Blätter
Sultan Muhammadtätig um 1505–1540„Der Hof des Gayumars“, „Das Fest des Sada“
Mir Musavvirtätig um 1525–1555„Nuschirwan und die Eulen“
Aqa Miraktätig um 1525–1560Schlachten- und Hofszenen; später Tahmasps Chamsa
Mirza Alitätig um 1535–1575Sohn des Sultan Muhammad; verfeinerte Hofszenen
Muzaffar Alitätig um 1530–1565Vetter des Sultan Muhammad; Landschaften
Dust Muhammadtätig um 1510–1564Maler und bedeutendster Kunsthistoriker der Epoche

Sultan Muhammads „Hof des Gayumars“ — der den Thron des ersten Königs der Welt unter einem türkisfarbenen, von Naturgeistern belebten Himmel zeigt — wird regelmäßig als das größte einzelne persische Gemälde bezeichnet.

Nachleben

Geschenk, Zerstreuung, Rückkehr

Schah Tahmasp sandte die gebundene Handschrift 1568 als Krönungsgeschenk an den osmanischen Sultan Selim II. Sie verblieb fast drei Jahrhunderte in der Bibliothek des Topkapı-Palastes, bevor sie in europäische und später amerikanische Sammlungen gelangte. In den 1970er-Jahren zerlegte der Sammler Arthur Houghton das Buch und verkaufte einzelne Blätter; 1994 kehrte der gebundene Rest im Tausch gegen ein Gemälde von Willem de Kooning in den Iran zurück.

759 Blätter

Jedes im Format 47 × 32 cm

258 Gemälde

Umfangreichster Zyklus aller persischen Handschriften

um 1522–1535

Entstehung in der königlichen Kitabkhana von Täbris

1568

Geschenk an Sultan Selim II. in Istanbul

1959

Erworben von Arthur Houghton Jr.

1994

Gebundener Rest im Tausch gegen de Koonings „Frau III“ an den Iran zurückgegeben

Die königliche Werkstatt: koordinierte Fähigkeiten

Die königliche Buchproduktion vereinte Kalligrafie, Malerei, Illumination und Bindung. Ein Kalligraf kopierte die Verse und plante ihre Beziehung zu den illustrierten Bereichen; Maler entwickelten narrative Kompositionen; Illuminatoren lieferten Ornamente und Golddetails. Papierherstellung und Bindung waren für das fertige Objekt ebenso wichtig. Diese Aufgaben erklären die Komplexität des Manuskripts, ohne eine erfundene Gesamtkosten- oder präzise Produktionszeit für jede Miniatur zu benötigen.

Galerie

Schahname-Malerei: Manuskriptvergleiche

Diese Bilder veranschaulichen die breitere Tradition der Schahname-Malerei; sie sind kein Katalog authentifizierter Blätter aus dem Manuskript von Schah Tahmasp.

Vergleichsfolio aus dem Bayasanghori-Schahname (1430).
Vergleichsfolio aus dem Bayasanghori-Schahname (1430).Wikimedia Commons
Bahram Gur — ein Folio des Schahname.
Bahram Gur — ein Folio des Schahname.Wikimedia Commons
Bahram Gur jagt mit der Harfenistin Azada.
Bahram Gur jagt mit der Harfenistin Azada.Wikimedia Commons
Bihzad — der Meister aus Herat, der die Täbriser Werkstatt prägte.
Bihzad — der Meister aus Herat, der die Täbriser Werkstatt prägte.Wikimedia Commons
Folio eines timuridischen Schahname.
Folio eines timuridischen Schahname.Wikimedia Commons

Fotografien und Museumstafeln aus Wikimedia Commons und gemeinfreien Sammlungen.

Eine bemalte Seite lesen: Dichtung, Raum und Macht

Das Schahname des Schah Tahmasp ist ein Manuskript von Firdausis Epos, keine Chronik, die am safawidischen Hof verfasst wurde. Seine Könige und Helden gehören zur mythischen, legendären und historischen Erzählung des Gedichts. Die Maler interpretierten diese überlieferte Geschichte für ein königliches Publikum des sechzehnten Jahrhunderts. Ein Palast, ein Gewand oder ein Teppich in einer Miniatur kann uns daher etwas über die safawidische Bildkultur erzählen, ohne das tatsächliche Erscheinungsbild eines antiken iranischen Hofes zu dokumentieren.

Text und Malerei bilden eine einzige Komposition. Versspalten etablieren die Erzählung, während Figuren, Felsen und Architektur das gemalte Feld erweitern und dessen Grenzen unterbrechen können. Mehrere Episoden können in einem Bild erscheinen. Behandeln Sie die Seite nicht wie ein Foto mit einem einzigen Blickpunkt, sondern folgen Sie den Gesten und Beziehungen zwischen den Figuren und kehren Sie dann zu den umgebenden Versen zurück. So werden Schlachten, Audienzen und Jagdszenen als Geschichtenerzählen lesbar und nicht nur als aufwendige Verzierung.

Eine bemalte Seite lesen: Dichtung, Raum und Macht
MerkmalWas zu untersuchen istWarum es wichtig ist
VersspaltenDer Text unmittelbar vor und nach dem BildIdentifiziert die Episode und nicht nur ihre auffälligste Figur
Maßstab und PlatzierungDie Position des Herrschers relativ zu Höflingen und LandschaftOrganisiert Autorität und Aufmerksamkeit, ohne fotografische Perspektive zu benötigen
Ränder und ArchitekturWo Figuren oder Gebäude sich dem Rahmen nähernVerbindet die Manuskriptseite mit der Handlung in ihr
MuseumskatalogBlattnummer, Datum, Zuschreibung und ProvenienzUnterscheidet Belege zu diesem Manuskript von Vergleichen mit anderen Büchern

Zerstreuung, Zuschreibung und verantwortungsvoller Vergleich

Geschmückte Textseite einer Schahname-Handschrift.
Geschmückte Textseite einer Schahname-Handschrift.

Das ursprüngliche Manuskript enthielt 258 Gemälde auf 759 Blättern. Ein Blatt ist ein Blatt mit Vorder- und Rückseite; eine Gemäldezahl ist nicht dasselbe wie eine Seitenzahl oder die Zahl erhaltener Blätter. Das Metropolitan Museum besitzt 78 Gemälde, die Arthur A. Houghton Jr. 1970 gestiftet hat. Das 1994 an den Iran zurückgegebene Material enthielt 118 Gemälde und den restlichen Text. Weitere Gemälde befinden sich in zusätzlichen öffentlichen und privaten Sammlungen, daher dürfen die 78 des Met nicht als das gesamte zerstreute Restmaterial beschrieben werden.

Zuschreibungen an einzelne Künstler sind wissenschaftliche Urteile, keine Signaturen auf jedem Bild. Forscher vergleichen Kompositionen, Zeichnung und dokumentierte Werkstattbeziehungen, und verschiedene Kataloge können eine Zuschreibung unterschiedlich qualifizieren. Die digitale Wiedervereinigung eines zerstreuten Manuskripts kann die Reihenfolge seiner Geschichte wiederherstellen, aber nicht alle Erfahrung des Umblätterns seiner gebundenen Seiten. Die Vergleichsbilder unten umfassen Werke aus anderen Manuskripten: Ein ähnliches Thema allein macht ein Blatt nicht zu einem Teil des Buches von Schah Tahmasp.

Metropolitan Museum — The Shahnama of Shah Tahmasp

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Weiter entdecken

Weiterführende Artikel

Sources & Further Reading

References

All imagery is sourced from Wikimedia Commons, public-domain museum collections (British Museum, Louvre, Metropolitan Museum of Art, National Museum of Iran), or UNESCO World Heritage records. No AI-generated images are used. Scholarly text is synthesized from Encyclopædia Iranica, the Cambridge History of Iran, and peer-reviewed publications.